7 Gründe für meine Dummheit

  • Alle 7 überraschen mich

Wow. Einfach nur wow. Auf so vielen Ebenen. Bisher kam der Narzisst und wurde auch schnell wieder gegangen. Vor zwei Wochen kam er dann und brachte einen Sack voll Drogen und extragroßer Verhütungsmittel mit. Und blieb zum Frühstück. Und für diverses Streaming-Programm für Nerds beim Kuscheln am Sonntagnachmittag. Er ging – leicht benebelt und mit leerem Rucksack.

Will ich damit angeben und Clickbait streuen? Ja – auch.

Denn ja, war super. Aber ich hab nicht einmal harte Drogen genommen. Also, wieso konnte ich danach nicht mehr aufhören, daran zu denken?

Ich bin nicht verliebt. Ich habe Bindungsprobleme und jemand gibt mir Aufmerksamkeit. Das ist ein Unterschied. Und ein sehr gefährlicher dazu.

Denn genau das passiert: Sobald mir jemand mehr als den kleinen Finger reicht, richtet sich jedes Molekül in mir auf diese Person aus. Und leider funktioniert das in erster Linie bei Männern so.

Jaja, Papi hat mich verlassen und so. Fragt meine Therapeutin.

Ist mir alles schon sehr lange klar. Und so sehr ich an mir in so vielen Bereichen zweifle, halte ich mich doch am Ende immer noch für recht intelligent. Wieso kann ich dann die Erkenntnis nicht umsetzen?

Tja, weil Intelligenz leider nicht reicht. Mir ist mehr als klar, dass dieser Mann in jeder anderen Hinsicht mit mir absolut inkompatibel ist. Und das ist ein Euphemismus, wenn es jemals einen gab.

Ich bin mir nichtmal sicher, ob ich ihn mag. Er redet andauernd nur über sich, über seinen Job oder irgendwelche Themen, die damit zusammenhängen. Die interessieren mich grundsätzlich auch, darüber haben wir damals gebondet. Aber dass er mich mal fragt wie es mir so geht, ist irgendwie nicht drin.

Stattdessen begrüßt er mich am Samstagmorgen mit „Boah ey, Samstage“. Nach seiner Arbeitslosigkeit hat er nun einen Job mit scheiß Arbeitszeiten. Sechs Tage die Woche, fast Vollzeit, freiberuflich. Ist scheiße, weiß ich. Sowas habe ich im Studium gemacht. Aber wohl gemerkt, NEBEN dem Studium.

Da bin ich locker um fünf aufgestanden, um dann ne Stunde mit dem Zug in eine andere Stadt zu gurken und da zu arbeiten unter großem Druck. Normal war in meinem Hauptstudium (was heute wohl ein Master wäre), vier Tage die Woche voll arbeiten, am fünften Tag ein paar Seminare an der Uni, am Wochenende dann Hausarbeiten für die Uni schreiben und jedes zweite Wochenende noch Termine für die Regionalzeitung machen.

Also, die Kack-Termine. Freiwillige Feuerwehr, Ortsversammlungen der Partei XY, Kleingärtner, etc. Nichts gegen Parteien oder Kleingärtner – Journalisten wissen, wie das ist. Aber die Bezahlung ist unterirdisch, der Zeitaufwand enorm, ich hatte quasi null Freizeit.

Nun, der Herr hat also doofe Arbeitszeiten. Ich kann das also verstehen und würde normalerweise damit sympathisieren und ihn bedauern. Aber „boa ey, Samstag“ – kann selbst mein bereits geleeartiges Herz nicht erweichen.

„Jetzt bin ich ja wohl mal die, die nicht arbeiten muss“, schreibe ich ihm pampig zurück.

Denn das erste was mir einfällt ist, wie er sich über mich lustig machte letztes Jahr, wenn ich mich über Montagmorgen beschwerte – er könne ja noch im Bett bleiben. Und überhaupt, dass ich auf feste Verabredungen am Wochenende bestehe, das ist ja so albern, er muss das schließlich nicht, er hat die ganze Woche über Zeit – ob ich DAS wohl nachvollziehen könne, ich egoistisches Stück?

Das liegt mir alles immer noch im Magen. Nun, er reagiert erstmal mit irgendwas anderem auf meine Nachricht, ich antworte nicht. Er schreibt noch irgendwas, ich antworte nicht.

Dann folgt: „Ich arbeite ja sowieso viel mehr und viel härter als du.“

WOW. Das ist auf so vielen Ebenen echt traurig, dass man so tief sinkt. SO dermaßen nach Aufmerksamkeit zu betteln, das hab ich schon seit gut 20 Jahren nicht mehr gemacht. Und ich bin in der Hinsicht schon ziemlich tief gesunken.

„Wenn du nicht sofort antwortest und my every whim mit Aufmerksamkeit belohnst, dann provoziere ich dich halt“  – das hat RTL II Niveau.

Ich lese, antworte wieder nicht. Er kann’s nicht lassen.

„Kein Widerspruch? Gut.“ Bejahendes Emoji.

Irgendwann mittags hat er mir gesagt, er wolle sich nichts vornehmen und überhaupt nur „chillen“ (wie zur Hölle ich überhaupt etwas mit jemandem habe, der dieses Wort benutzt ist beyond me), Ob ich denn noch was vorhabe, am Wochenende?

Ich bin also nicht gesprungen, als er mir das Stöckchen (ok, die Verniedlichungsform ist hier unangebracht) hinhielt.

Hätte er zu diesem bemerkenswerten Ast auch noch Eier, würde er einfach fragen, ob ich vielleicht Lust hätte, heute oder morgen noch Besuch zu bekommen. IRGENDWAS. Selbst meinetwegen verklausuliert, wenn du es anders nicht auf die Kette kriegst.

Aber nein, er fragt von hinten durch die Brust ins Auge, ob ich eventuell frei wäre, wenn er sich gesetzt dem Falle dass, eventuell, man weiß ja nicht, könnte ja sein, entschließen sollte, Sex haben zu wollen.

Für zwei oder drei Tage nach diesem sagenumwobenen Wochenende war ich komplett vernebelt (von 1,5 Joints – die mir nie gut bekommen. Dafür hab ich wochenlang nicht getrunken, böser Fehler). Mittlerweile kann ich wieder nur sagen: Meh. Was auch immer.

Wow – ist für mich nur, dass ein Teil von mir die Lektion immer noch nicht gelernt hat.

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