Wenn das Texten eskaliert….

Kennt ihr dieses Bild von jemandem, der auf einem Teppich eine Rolltreppe hinab rutscht, die Wodka-Flasche in seiner Hand über dem Kopf schwenkt und darüber steht: That escalated quickly. Das war ich gestern.

Keine Ahnung, wie das überhaupt passiert ist. Ich wollte wohl flirten. Ein Gespräch am Laufen halten. Irgendwas. Aber so hatte ich mir das nicht vorgestellt. Eine Geschichte über die leichtfertige Verwendung des Wortes „Eskalation“.

Der Herr des Monats hatte wegen was anderem getextet. Ich fragte, wie es denn seinem Rücken ginge, meiner sei immer noch komisch seit dem Wochenende und tue teilweise weh.

(Da ist auch eine Stelle, wo ich irgendwas manchmal wieder reindrücken kann, weiß der Geier was da los ist, tut jetzt nur bedingt was zur Sache.)

Er schickte mir sofort eine längere besorgte Nachricht darüber, was das sein und was da helfen könnte, weil er recht viel Rückenprobleme hat und hatte.

Zusammen mit der Adresse von seinem Orthopäden und Physiotherapeuten, wo ich eigentlich besser heute noch hingehen sollte.

Das war also alles lieb.

Soweit, so gut. Ich sagte, danke (Hab ich das nicht gesagt? Vielleicht war das mein Fehler)

Aber als ich dann sagte ich würde heute eher nicht zum Arzt gehen, sondern mir das erstmal noch angucken und ich müsste ja auch arbeiten heute Nachmittag, ging’s dann irgendwie in die Hose.

Seine Wertvorstellungen seien da wohl anders als meine – Rücken sei wichtiger als Arbeit.

Stimme ich zu, aber irgendein Arsch muss im Büro ja die Stellung halten, wenn es nicht meiner ist. Wenn ich also gehe wegen etwas, das jetzt nicht sooo akut ist, trage ich das auf dem Rücken von jemand anderem aus. Und ich schätze Loyalität. Wie auch immer.

Er war daraufhin not amused und teilte mir mit, das sei ja meine Entscheidung, aber kenne sich mit sowas aus und das sei gefährlich. Verstehe ich als Einwand, kann sein, dass es das ist.

Ich hatte trotzdem jetzt nicht wirklich mehr Schmerzen, weshalb ich das Zum-Arzt-Gehen noch ablehnte.

Dann eskalierte es irgendwie.

Er fände das jetzt etwas paradox von mir, das erstmal aussitzen zu wollen mit dem Rücken, ich hätte ja auch die Corona-Warn-App installiert.

Stimmt, sage ich, aber der Rücken bringt mich eher nicht potenziell um (oder andere). Würde wohl hingehen, sobald es richtig weh tut. Ist natürlich paradox, wie das Rauchen. (Eines unserer beiden Laster, insofern sind wir beide paradox, was das Gesundheitsbewusstsein angeht)

Und ich appreciate, dass er sich Sorgen macht. Aber ja, grad nochmal nachgesehen, habe ihm gesagt, danke, das ist lieb von dir die Hinweise.

Wie ich denn so bin, machte ich dann auch noch n Witz dazu: Ah schade, dachte du wolltest mir den Rücken kraulen.

Ne, das würde er nicht machen, weil da könnte man ja jetzt wirklich was kaputt machen usw.

Wahrscheinlich richtig, aber nicht ganz die Antwort, die ich mir erhofft hatte.

„Kraulen, nicht richtig massieren“, antwortete mein trotziges Ich.

Ich find’s nicht lustig – kam als Antwort.

Wie? Wer hat denn dieses Fass da reingerollt und aufgemacht?

Ich hab das Fass nicht gleich gesehen, weshalb ich lapidar antwortete:

„Oh Mann, gleich so viel Eskalation.“

Er schickte dann eine Sprachnachricht und sagte, er werde dann nichts mehr dazu sagen.

In einem Ton, dass ich dachte, ich höre ihn im Hintergrund seine Schaufel auf den Boden werfen.

Ich sollte über sowas Ernstes doch keine Witze machen, wie er denn darauf reagieren soll. Ja wohl nicht mit‘m Smiley. Das könne ich ja wohl respektieren.

Nun, so hatte ich mir das gedacht mit ‚nem Smiley, aber war wohl nichts.

„Also wenn ich nicht zum Arzt gehe, soll ich auch nichts mehr sagen? Witze machen über sowas finde ich nicht verkehrt, aber dann halt nicht.“

Neues Sprachnachricht darüber, dass er wohl lieber gar nichts mehr sagt und mir ja nur seine Meinung mitgeteilt hat.

True – allerdings leicht angefressen, weil ich nicht zum Arzt gehe direkt. Oder bilde ich mir das ein?

Ich sage, wir sollen das Fass wohl lieber jetzt wieder zu machen, ich könne ja auch immer noch zum Arzt gehen.

„Es geht hier um deine Gesundheit und sonst gar nichts. Aber beim nächsten Mal halte ich dann meine Fresse wenn es um deine Gesundheit geht.“

Woooas?

„Sag doch einfach geh zum Arzt und gut ist?“

Er werde sein Verhalten anpassen und dazu lernen und in Zukunft sich nicht mehr über meine Gesundheit äußern. Aber ich sollte dann auch nicht drüber reden.

WTF happened?

Wenn ich nicht sofort am gleichen Tag alles stehen und liegen lasse und zum Arzt renne, wenn er das empfiehlt, ist er beleidigt?

Darf ich jetzt nächste Woche nicht mehr sagen, oha, mein Rücken tut doch nicht mehr weh, oder weniger/mehr weh?

Könnte ich durchaus verstehen, wenn er bei wiederholten Klagen sagt: Ich hab’s dir ja gesagt, geh besser zum Arzt.

Dass er mit mir nie wieder über Gesundheitsthemen reden will, fand ich dann etwas überzogen. Vor allem in dem Ton.

Ich habe ja nicht gesagt, ich gehe niemals zum Arzt, oder fick dich für den Vorschlag. Und den Tipp für einen vernünftigen Orthopäden oder Physiotherapeuten find ich auch gut.

Auf jeden Fall meinte er dann, er fühle sich „doppelt bestraft“ durch mein Nicht-Annehmen des Ratschlags und die Diskussion darüber.

Das ist ein bisschen so, als würde man einer Freundin raten, doch dringend jetzt mal ihren Freund abzuservieren wegen irgendwas und die macht es dann nicht.

Da wäre ich nicht beleidigt oder würde mich „bestraft“ fühlen, fände es nur schlecht durchdacht von ihr – aber #notmymonkeys #notmycircus, so sind die Menschen halt. Paradox, nicht immer rational.

#TextingFail halt von vorn bis hinten. Unerwartet. Aber kommt vor.

Vielleicht sollte ich meine Verwendung von „Eskalation“ in Zukunft nicht mehr eskalieren.

Vielleicht darf er nicht jedes Wort in die Waagschale legen. Oder wir beide.

Die Geschichte ist übrigens noch nicht vorbei. Es eskaliert noch weiter.

Fortsetzung folgt.

1 Kommentar zu „Wenn das Texten eskaliert….“

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