Der Blick in die Kiste

Tadaaa……Trommelwirbel, ich habe in die Kiste geguckt. Und es war weder eine tote, noch eine lebendige Katze drin, sondern einfach: Nichts. Gar nichts.

Nachdem ich die Linie in den Sand gezogen hatte und gesagt hab, bis hierhin und nicht weiter, hat er die Box endlich aufgemacht. Freundschaft plus, würde er sagen. Ok – das ist eine Ansage, mit der man hätte arbeiten können. Die Frage ist nur, wo ist die Freundschaft dabei?

Die Vorzüge sind durchaus da. Wie er sagte, er war ja den Großteil seines Lebens allein und es sei doch nett, jemanden zu haben. Besonders im Lockdown. Stimme ich zu. Und gerade in Lockdown-Zeiten muss wohl auch nicht alles zur großen Liebe werden.

Aber warum ist „More Benefits than Friends“ mein Motto? Weil ich dieses Freundschaft mit Vorzügen Modell oft so erlebt habe. Nein, ich habe es fast nie gemacht. Weil was wurde mir angeboten? Im Prinzip das, was der Narzisst jetzt gemacht hat.

Wenn er kuscheln will, bin ich da und wenn er einen schlechten Tag auf der Arbeit hatte und reden will, auch. Wenn er schlecht geschlafen hat, will er irgendwie Zuspruch.

Wenn ich das will? Pfffft…..nada. Dann soll ich gefälligst keine Ansprüche stellen.

Und wehe, ich melde meine Bedürfnisse an. Letzten Sonntag habe ich ihm gesagt, so ich will jetzt reden. So geht das nicht weiter, wir haben ein echtes Kommunikationsproblem. Und ich weiß, dass es dir jetzt nicht passt, weil du gestern Drogen genommen hast, aber lass mich in den nächsten Tagen wissen….

Einen Tag später erhalte ich eine Reihe von Schrei-Tiraden per Sprachnachricht. Wirklich, er schrie und beschwerte sich, dass er keinen Termin zusagen könne und Mittwoch könne er vielleicht reden, aber das wäre sicher die Hölle für ihn. Und am Wochenende auch. Das wäre alles ganz furchtbar für ihn.

Das könne er nicht zusagen und wahrscheinlich wäre mir das nicht genug, weil ich ja immer alles zwanghaft planen wolle.

Ehm……nein, Kollege nein. Ich hab wochenlang das Bedürfnis runtergeschluckt und jetzt das? Ich hab dich nicht angegriffen, dir nichts vorgeworfen. Und auch nichts planen wollen.

Also sage ich, er möge mich bitte jetzt nicht angreifen, wir besprechen das dann in Person.

Er schreit weiter, ich möge ihn doch jetzt bitte, bitte in Ruhe lassen. Ob ich mein Verhalten denn überhaupt kontrollieren könne? Das sei doch irre und ein paar Stinkefinger-Emojis gibt’s dazu.

Ich schicke ihm ein paar Nachrichten, dass ich nicht sagen wollte: Put a ring on it oder ich bin weg. Sondern möglichst konfliktfrei hatte klären wollen, wie wir das hier machen können. Eben auch als Freundschaft mit Vorzügen. Aber nicht so wie bisher.

Und blockiere ihn auf allen Kanälen. Das ist nicht die feine Art, aber ich lass mich nicht so anschreien. Kann er vergessen.

Vor allem geil auch, mir Sachen an den Kopf zu werfen und mir dann verbieten zu wollen, mich dazu zu äußern. Ich soll also hier sitzen und mir das alles anhören, weil er einen Drogenkater hat und ich ihn nicht belasten soll. AHA.

Man kann echt drüber streiten, ob das ok war, ihm das an diesem Tag zu schreiben. Aber da er vorher alle dezenten Hinweise zu „lass mal treffen und reden“ ignoriert hatte – mir stattdessen aber schrieb er sei jetzt geil und ob ich schon Film XY gesehen habe, platzte mir der Kragen.

Am Ende ist es aber 1 A Gaslighting, komplett von allem anderen abzulenken und mir wieder die Schuld in die Schuhe zu schieben.

Mittlerweile hat er gemailt. Er hätte mich einfach nicht so dringend sehen wollen, weil da vorher ein paar Sachen passiert waren, die ihm nicht passten. Ja, da hab ich mich auch manchmal erratisch verhalten, weil ich ja zunächst das Reden dringend vermeiden wollte. Mir war ja klar, sobald ich Kritik äußere, passiert genau das: Er hat einen Mr.-Hyde-Wutanfall und/oder er verschwindet einfach.

Um zum Punkt zu kommen: So stelle ich mir das unter Freunden nicht vor. Wenn sich meine Freunde über mich so ärgern, dass sie mich wochenlang nicht sehen wollen – würden sie es mir einfach sagen und man könnte drüber reden.

Als ich also sagte: Das verletzt mich schon ein bisschen, dass du lieber koksen willst heute als mit mir zu schlafen nach wochenlanger Pause – meinte er, nein, nein, das ist überhaupt nicht so.

Well, wie er gerade zugab, war es eben doch so.

Oh und ja, er habe gemerkt, dass ich eigentlich reden wollte. Schon ne Weile. Aber er hat so wenig Freizeit und dachte ich will unbedingt ne Beziehung, das wäre ja unangenehm geworden. Deshalb wollte er mich auch nicht sehen.

ER hätte ja nicht so das Bedürfnis gehabt, den Status zu klären.

Wenn ich aber zu einem Freund sage: Du, ich muss da echt mal über was reden, mir liegt was auf dem Herzen. Ist ok, wenn der dann sagt, du gerade geht es nicht, weil…Aber das Mindestmaß an Respekt wäre für mich, zumindest anzuerkennen, dass der andere da ein Bedürfnis hat.

Aber nein, seine wenige Freizeit ist heilig. Also setzt er sich halt mit meinem Bedürfnis gar nicht erst auseinander und ignoriert es. Wenn ich aber sein Bedürfnis nach Ruhe am Drogentag ignoriere, bricht die Hölle los und ich werde beleidigt und angeschrien. Merkt der eigentlich noch was?

Freundschaft plus, sagt er. Nun, kommt mir vor wie ein Euphemismus. Eigentlich heißt es: Ich suche mir aus, was mir wann passt und wenn du irgendwas willst, ignoriere ich dich solange, bis ich wieder was will.

Der geht einfach davon aus, dass das so ist. Dass die Menschen dafür da sind, um seine Bedürfnisse zu erfüllen, wenn es ihn gutdüngt – und gut.

Not.

Das ist keine Freundschaft. Und die Vorzüge liegen nur auf einer Seite.

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