Stöckeln für den Feminismus

Kann mir mal jemand High Heels in Größe 39 mit Absatz über 10cm leihen? Ich muss dringend bis Freitag lernen, darin zu gehen – um jemandem eine Lektion in Gleichberechtigung zu erteilen.

Denn dieser Hinweis ereilte micfashion-person-woman-feeth gerade zum geplanten Date am Freitag: „Du bist 177cm groß? Dann sind mehr als 10 cm Absatz nicht drin. :-)“

Schon wieder dieses Feminismus-Ding. Alt, überholt, unnötig. Ich weiß. Schön wär’s. Aber dann zeigt mir mal eine Frau, die einem Mann (den sie gar nicht persönlich kennt) sagt, was er anziehen soll. Sorry Jungs, aber ich finde das nicht witzig. Oder charmant. Oder schlau.

Das einzige, was das ist: Unsicher und dumm.

Mit 187cm ist der Herr ja nicht klein, sondern eher normal bis etwas größer als der Durchschnitt. Habe ich nicht gegoogelt, ist eine rein gefühlsmäßige Angabe.

Und dann hat er so wenig Selbstbewusstsein, dass er auf Platz drei seiner notwendigen Fragen vor einem Date erstmal abklärt, ob ich wirklich so groß bin wie angegeben.

Um mir dann einen modischen Hinweis zu geben? Bitte, was?

Zugegeben, das hat mich wieder zickig gemacht jetzt. Meine Antwort war: „Sonst noch Wünsche, der Herr? Was ist das denn für ein Kackspruch?“

Er: „Häää wieso? Naja ich bin 187 und meinte nicht das du größer bist als ich. Nicht mehr nicht weniger. Hmmm verstehe nicht warum du das negativ aufgefasst hast.“

Keine Ahnung, negativer als deine Rechtschreibung? Ja, durchaus.

Aber ich bin ja kein Unmensch. Ich erkläre dir gern, wieso. Und es hapert auf diversen Ebenen.

Das ist kein harmloser Witz. Das ist ein tradiertes Rollenbild. Der Mann zeigt der Frau, wo es lang geht. Und auf welchen Schuhen. Der Mann muss größer sein als die Frau. Älter. Mehr Geld verdienen.

Gleichberechtigung ist für mich erst entstanden, wenn ein Mann kleiner sein kann als ich, weniger Geld verdienen und sich trotzdem männlich fühlen. Wenn meine Größe jemanden schon einschüchtert, bevor er mich kennt, nun…..dann wird er sich weinend unter dem Tisch verstecken, wenn er mich kennenlernt. Oder sich männlich machomäßig aufplustern, was ungefähr aufs Gleiche raus kommt.

Asi-Couture

Stilistisch gesehen verorte ich solche Schuhe entweder bei Prostituierten oder in der Asi-Couture-Kombi: Sonnenbank, künstliche Fingernägel, Hohe Heels von Deichmann. Nein, ich halte beides nicht für verwerflich, ist nur nicht so mein Ding.

Dazu kommt, dass solche Schuhe den meisten Frauen einfach wehtun. Ja, ich kenne Heels-Fetischistinnen, die behaupten, dass es total bequem sei. Mag sein, dass es für manche Leute gut funktioniert – allerdings können die dann oft nicht mehr gut auf flachen Schuhen laufen, weil ihre Sehnen verkürzt sind. Will man das? Nö.

Ganz abgesehen von Gesundheits- und Geschmacksfragen (und ich gebe zu, dass ich da sicherlich etwas borniert bin), ist es mein verdammt gutes Recht, solche Absätze anzuziehen. Ich trage nie welche, weil ich mich für groß genug halte und ja, weil es mir weh tut. Auch in Nicht-Deichmann-Schuhen.

Die Ur-Feministinnen verteufeln High Heels als eines der Symbole für Unterdrückung. Dass Frauen nicht nur viel Geld und Zeit in ihr Äußeres investieren, sondern sich auch selbst dafür Schmerzen zufügen, ist sicherlich auch eine Anbiederung an Männer. Sonst würde das eben keiner tun. Na und?

Ich kann tun und lassen, was ich will. Wenn Frauen High Heels über 10 cm anziehen wollen, bitteschön. Ich will es eigentlich nicht. Aber wenn du es mir verbieten willst, werter Herr, habe ich nicht übel Lust darauf.

Andererseits kann ich mir die Blasenpflaster auch sparen: Ich kann auch ganz ohne hohe Schuhe auf dich herabsehen, 187cm großer Mann.

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