Aller „guten“ Dinge…

Ich weiß nicht, ob aller guten Dinge wirklich drei sind – und in jedem Fall sind die guten Dinge keine Dates. Selbst, wenn die Dates eigentlich gut waren. Gehören ja schließlich immer zwei dazu, um es dann auch gut zu finden.

Das dritte Date im Bunde will ich euch also nicht vorenthalten. Eigentlich dachte ich, dass ich darüber am wenigsten schreiben könnte – denn, was will man auch sagen, wenn es gut war?

Erstmal den Ball flach halten und mal gucken, ne? Normalerweise würde ich nichts über jemanden schreiben, den ich noch treffe bzw. noch treffen wollte.

Aber er wollte HIER drin vorkommen. Richtig gehört – weil ich ein Technik-Vollidiot bin und die ganzen Social-Media-Konten verknüpft hatte, hat er das hier gefunden.

Das ist sehr, sehr viel Einsicht für jemanden, den ich so gar nicht kenne. Selbst für meine Freunde ist das hier nicht immer alles ein alter Hut.

Dementsprechend rutschte mir das Herz also in die Hose, als ich seine Nachricht las – er habe meinen Blog gefunden.

Date-Dynamiken könnte man ja schlecht vorhersagen, aber er fände meine Texte ganz interessant und wollte sich gern mal treffen.

Oooooook. Ist schon ein bisschen gruselig der Gedanke, jemanden in diesem Kontext zu treffen.

Kurz musste ich schlucken – aber andererseits, go Ehrlichkeit und so. Ich stimme also zu.

Das eigentliche Date fällt dann auf den Tag nach dem beschissenen Date und ich hab eigentlich überhaupt gaaaaar keine Lust.

Aber wenn ich sage ich mach das, mach ich das auch – und dann komm ich da an und well, es ist überhaupt gar nicht schrecklich. Ich bin selbst für meine Verhältnisse wahrscheinlich extra ängstlich, weil er durch dieses vermaledeite Internet jetzt einen enormen Wissensvorsprung hat. Und mich trotzdem treffen wollte. Also ist die Katze so dermaßen aus dem Sack – Was fängt man damit an?  

Gut, die Katze ist nicht nur raus, der Sack ist damit sowas von durch, dann kann man ja auch offener reden eigentlich.

Und es ist am Ende nett – wir trinken Bier, wir gehen essen, wir gehen noch eine Runde spazieren.

Er sagt noch zwischendurch, man bekomme beim Lesen des Blogs den Eindruck, dass ich überhaupt total keinen Bock mehr hätte, jemanden kennenzulernen und echt mega frustriert und blah wäre. So wirke ich in echt allerdings überhaupt nicht.

Den Hinweis auf die nicht vorhersagbare Date-Dynamik hatte ich eigentlich für einen Disclaimer gehalten, dass es kein richtiges „Date“ werde und er nach dieser ganzen Zu-Viel-Information über mein Leben ganz bestimmt nichts von mir wolle.

Aber vielleicht doch? Denke ich an der Stelle zum ersten Mal.

Trotzdem ist es ein bisschen eigenartig, zwischendurch, zu wissen, dass er weiß…..usw. Er sagte, er hätte nicht alles gelesen, weil ihm das voyeuristisch vorkam. Aber er sagt, ich scheine schon echt viel Pech gehabt zu haben. Ok, das ist nett, das freut mich.+ Dann wirke ich anscheinend nicht so, als wäre es alles meine Schuld und es ist nicht offensichtlich, wieso ich immer ins offene Messer renne?

Er scheint mich doch nicht für irre zu halten.

Ob ich dann also nie mit jemandem zusammengewohnt hätte? Also nem Partner?

Ich verschlucke mich fast an meinem Bier – nein, natürlich nicht. Wenn ein paar Monate daten dein persönlicher Rekord ist, ist „Zusammenziehen“ auch nicht so das Thema.

Ob mich das immer allein wohnen denn dann wohl sehr eigen gemacht hätte? Ebenfalls schwer zu sagen, weil ich ja nur mit mir selbst zusammenwohnen kenne. Aber er scheint schon abchecken zu wollen, ob’s an mir liegt.

Ist das gut oder schlecht? Ich weiß es nicht, ich bin verwirrt und auch etwas betrunken und sehr müde und sollte eigentlich mal nach Hause gehen.

Was ich ihm eigentlich für einen Link schicken wollte, frage ich ihn, kurz bevor ich nach Hause einbiege. Der Abend hat doch einige Stunden gedauert und ich bin wirklich etwas betrunken. Wir hatten über was geredet, ich wollte was schicken, nur was?

Er weiß es noch. Well, ok, wenigstens einer ist nicht überfordert.

Wir umarmen uns zum Abschied, ich überlege noch kurz, ob ich jetzt…..aber mein Gott, ich bin betrunken, es ist spät, mach jetzt einfach nichts Dummes, Marla.

Ich gehe nach Hause und suche das, was ich ihm noch schicken wollte. Und weil ich das nicht sofort finde, schütte ich mir noch n Wein ein (bestechend ist diese Logik auch nur dann, wenn man eh schon betrunken ist).

Während ich den trinke, schickt er mir direkt noch eine sehr nette Nachricht, er habe es sehr nett gefunden, gute Zeit gehabt, gerne wieder – und falls ich das nicht wollte, würde er sich auf die Rezension auf meinem Blog freuen. Das sei quasi eine Win-Win-Situation für ihn.

Wow. Like, wow.

Könnte mich nicht erinnern, dass mir überhaupt mal jemand direkt nach nem Date geschrieben hat, geschweige dann was so Nettes.

Aber wieso nimmt er vorweg, dass ich es nicht gut gefunden haben könnte? Ich mein, dann wär ich doch schon vor Stunden gegangen.

Gleichzeitig überfordert mich das auch so mal eben auf die Schnelle, ich bin angetrunken.

Ich entscheide darüber zu schlafen und schreibe nur kurz zurück, dass ich es auch gut fand.

Das alles passierte am Sonntag und ihr könnte euch vorstellen, am Montag war ich nicht besonders fit.

Kurz überlege ich abends, ob ich ihn fragen soll, wie sein Tag war, nachdem meiner recht zerknautscht verlief. Verwerfe ich dann schnell die Idee, sich nach einem Tag jetzt melden, das wäre recht desperate.

Und schließlich versuche ich normalerweise, mich nie von selbst zu melden. Das ist noch ne whole other story.

Aber ich bin ganz gut gelaunt, schließlich scheint es ja auch mal die gute Erfahrung zu geben. Endlich mal ein Lichtblick.

Am Mittwoch fang ich dann doch langsam am, mir Sorgen zu machen und mich zu fragen, ob er das so ernst gemeint hat. Weil, wenn er meint, gerne wieder, dann wird er ja wohl nach nem zweiten Date fragen. Logisch, oder? Ich hab ja auch gesagt, gerne wieder.

So gerne will er’s dann aber vielleicht doch nicht wiederholen? Vielleicht war mein Abschied zu kühl (da bin ich generell schlecht drin, hab ich schon öfter drüber nachgedacht, nachdem ich von Spaziergangs-Dates relativ fix abgehauen bin), vielleicht meine Nachricht zu kurz….

Ach, Papperlapapp, denke ich mir, dann schreib ich jetzt halt. Es ist Donnerstag und ich frage, wie es so geht, die Woche so läuft. Ich schwanke noch, ob ich vielleicht mal fragen sollte, ob man am Wochenende nochmal was machen will. Kino oder so. Vielleicht. Selbst fragen ist, wie gesagt, doof. Entweder er sagt, wie meist, nein oder wenn er ja sagt, denke ich, ach, der wollte eigentlich gar nicht, der dachte nur, ich bin super-verzweifelt und da geht was.

Ein paar Stunden später kommt die Antwort zur Woche ach und ja, das Video, das ich ihm Sonntag noch geschickt hatte, sei witzig gewesen. Ob ich eine Meinung zu Schlingensief hätte?

Bitte, wie? Das Video von Sonntag ist am Donnerstag doch eher sowas von Old News. Das kommt so wie ‚Ach, ja richtig, dich gab’s ja auch noch‘. Well, ok. Und was hat Schlingensief damit zu tun?

Ich überlege, in welchem Zusammenhang das jetzt stehen könnte……meine Erinnerungen an Schlingensief sind tatsächlich recht dunkel nur und Google erklärt mir auch wieso. Der ist ja auch schon länger tot.

Dass ich keine Meinung zu Schlingensief habe, sage ich ihm. Wieso er mich nach dem gefragt hätte?

Kommt nichts mehr, nada.

Vielleicht habe ich mich mit meinem Unwissen zu Schlingensief diskreditiert? Nicht intellektuell genug und so?

Das passiert alles noch am Donnerstag und ich wundere mich. Ziemlich sogar. Erst so gefühlt enthusiastisch und dann Schlingensief und gar nichts mehr? Was hab ich getan? Vielleicht hat er einfach in der Zwischenzeit ein besseres Date gehabt? Seine Ex wiedergetroffen? Oder schlicht und ergreifend sich überlegt, dass mein Blog klar zeigt, wie irre ich bin und dass es doch keine so gute Idee ist, mich zu treffen?

Nungut, keine Panik vorschützen, man muss ja nicht gleich immer durchdrehen, wenn einer nicht gleich antwortet. Er schrieb auch sonst einfach immer sehr, seeehr lange Nachrichten für Whatsapp, macht man vielleicht nicht zwischen Tür und Angel.

Aber, da kommt nichts mehr. Ich will es eigentlich schon abhaken, als ich Freitagabend durch Zufall beim Posten des Blog-Textes sehe, dass er mir auf Social Media entfolgt ist.

Auch weird. Weil, was hab ich ihm getan? War da nicht was von wegen, dass er zumindest die Rezension lesen wollte?

Jetzt macht er nicht den Eindruck, sich nochmal treffen zu wollen und lesen will er’s anscheinend auch nicht. Was hab‘ ich oben gesagt? Selbst fragen ist doof. Überhaupt zu schreiben, nachdem er nichts mehr gesagt hatte, ist doof und verzweifelt. Aber jetzt wurmt’s mich wirklich.

Ich frage also: Was ist da los?

Und der interessante Teil geht da erst los.

1 Kommentar zu „Aller „guten“ Dinge…“

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